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Biographien

deutscher Classiker.
Supplementzu der Göschen-Cottaischen Ausgabe"deutscher Classiker."

Zweites Bändchen.
Joh. W. v. Goethe.

Jena, 1853.

J. W. v. Goethe's
Biographie

von
Dr. H. Doering.

Complet in Einem Bändchen
Jena, 1853.

Goethe's Leben.

 

 

Johann Wolfgang Goethe, später in den Adelstand erhoben, war zu Frankfurtam Main den 28. August 1749 geboren. Sein Großvater, Friedrich Georg, warGastgeber zum Weidenhof. Eine glänzendere Stellung behauptete seinGroßvater mütterlicher Seite Johann Wolfgang Textor als KaiserlicherSchultheiß. Er war ein ernster, in sich gekehrter, ziemlich wortkargerMann, dabei sehr gewissenhaft und pünktlich in der Erfüllung seinerBerufsgeschäfte. In seinem ruhigen, leidenschaftslosen Charakter zeigtesich kaum eine Spur von Heftigkeit. Sehr behaglich fühlte er sich in seinereinförmigen Lebensweise, die ihn früh Morgens auf's Rathhaus, hierauf anseinen Mittagstisch und von diesem zu einem Schläfchen in seinenalterthümlichen Sessel führte. An seine Wohnung in der Friedberger Straßestieß ein theils mit Weinstöcken, theils mit Küchengewächsen und Blumenbepflanzter Garten, der in Mußestunden sein Lieblingsaufenthalt war. DieBlumenzucht und das Inoculiren der verschiedenen Rosenarten gewährte ihmeine angenehme Beschäftigung. Er trug dann gewöhnlich einen langen weitenSchlafrock und auf dem Kopfe eine faltige schwarze Sammetmütze. Dieallgemeine Achtung, in der er stand, ward noch gesteigert durch ein ihmeigenthümliches Ahnungsvermögen, besonders in Dingen, die ihn selbstbetrafen. In seinen Büchern und Schreibkalendern pflegte er seine Ahnungenund Träume kurz aufzuzeichnen.

Mit einer fast peinlichen Strenge hing Goethes Vater, Johann Caspar, anallem Gewohnten und Herkömmlichen. Ein ernster Lakonismus gehörte zu denGrundzügen seines Charakters. Er handelte nach festen, aber durchausrechtlichen Principien. Lernbegierig von früher Jugend an, hatte er auf demGymnasium zu Coburg rasche Fortschritte gemacht in seinerwissenschaftlichen Bildung, dann in Leipzig die Rechte studirt, und zuGießen durch Vertheidigung seiner Dissertation: Electa de aditionehereditatis die juristische Doctorwürde erlangt. Seine Welt- undMenschenkenntniß hatte er, nach beendigten Studien, auf einer Reise durchDeutschland und Italien vermehrt, und war dadurch zu dem Besitz einerGemälde- und Antikensammlung gekommen, die er sehr werth hielt und sieFremden, die ihn besuchten, gern zeigte. In seinem, von öffentlichenGeschäften befreiten Leben fand er hinlängliche Muße zu Privatstudien, beidenen ihn seine ansehnliche und ausgewählte Bibliothek unterstützte. Mitdem Titel eines Kaiserlichen Raths führte er das Leben eines Privatmannes,das sich mit seinen Vermögensumständen vertrug. Von seinen Kindern, derenUnterricht ihn neben seinen mannigfachen Studien beschäftigte, waren diemeist

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