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VON
MEDICINALRATH UND LEIBARZT S. K. H. DES GROSSHERZOGS VON OLDENBURG, ETC.
VANDENHOECK UND RUPRECHT’S VERLAG.
1855.
EHRFURCHTSVOLL ZUGEEIGNET.
Wider meine ursprüngliche Absicht gelangen die vorstehenden Untersuchungen in einerForm zur Veröffentlichung, die vielleicht mehr verspricht, als der Inhalt giebt. Einerseitswuchs mir jedoch das Material unter den Händen so sehr, dass es für einen Journal-Artikelnicht mehr geeignet war, und andrerseits wurde ich durch das gnädigste Interesse Sr. Majestätdes Königs von Hannover an der Bearbeitung der das Nordseebad betreffenden Fragen zu derHerausgabe der Untersuchungen in eben der vorliegenden Weise veranlasst. Diesem HöchstenInteresse, das mir einen Sporn zur Ueberwindung mancher Schwierigkeiten gab, schulde ichden tiefsten Dank, und, fern von der Meinung etwas Wesentliches geleistet zu haben, folgeich gern der gnädigsten Aufforderung zu einer Widmung, der ich selbst nur eine vollständigereArbeit für würdig erachtet haben würde.
Dies zur Erklärung für meine Fachgenossen, die mich der Ueberhebung zeihen könnten,wenn ich ihnen nicht die Ueberzeugung ausspräche, dass „eine Schwalbe keinen Sommermacht.“
Oldenburg den 1. October 1854.
Der Verfasser.
Es hiesse alle Thatsachen verkennen, wollte man die bedeutende Einwirkung, welcheder Aufenthalt an der Seeküste und der damit verbundene Gebrauch des Seebades auf denmenschlichen Organismus ausüben, bezweifeln. Wir besitzen, das ist keine Frage, in derSeeluft und dem Seebade mächtige Heilmittel gegen viele Krankheitszustände. Fragt manjedoch nach dem Wie? der Wirkung, nach dem Einfluss, den einerseits der Luftgenuss, andrerseitsdas Bad ausübt, so fehlt bis dahin die Antwort; man kennt aus oberflächlichen Erscheinungendie Wirkung in summa, man weiss sie aber nicht rationell zu erklären und istsich der Grösse der einzelnen Coefficienten der Gesammtwirkung des „Seebades“ nicht klarbewusst.
Es ist die Aufgabe der Gegenwart, dem Wie? der Wirkung der Heilmittel nachzuforschen,und es ist sicher ein richtiges Verfahren, wenn man in Anbetracht der Mühe undZeit, die eine solche Nachforschung erfordert, mit den anerkannt wirksamsten Heilmittelnden Anfang macht. Wir zählen das Seebad mit Fug und Recht zu diesen letztern; und somag auch der Versuch gerechtfertigt erscheinen, in die Art und Weise seiner Wirkung tiefereinzudringen. Dass sich dieselbe nachweisen und erkennen lassen muss, dass sie selbst inZahlen ausdrückbar ist, kann dem nicht zweifelhaft sein, der den heutigen Stand der Naturwissenschaftenkennt.
Ein 5wöchen